{"id":13566,"date":"2024-05-28T08:21:00","date_gmt":"2024-05-28T08:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruenhorn.group\/?p=13566"},"modified":"2024-08-01T11:46:15","modified_gmt":"2024-08-01T11:46:15","slug":"cannabis-hilft-mir-bei-multipler-sklerose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruenhorn.group\/de\/cannabis-hilft-mir-bei-multipler-sklerose\/","title":{"rendered":"\u201eCannabis hilft mir bei Multipler Sklerose\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Anl\u00e4sslich des Welt-MS-Tages berichtet eine Patientin von den potenziellen Vorteilen der Cannabistherapie. Mit zunehmender Forschung ist diese eine vielversprechende Option zur Linderung ihrer Nervenschmerzen und Spastiken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnhorn-Gruppe kl\u00e4rt am 30.5. mit einem Podcast zum Thema MS, einer gemeinsamen Verlosung mit der Community f\u00fcr chronische Krankheiten, K\u00e4mpferherzen, und Presseaktivit\u00e4ten \u00fcber die Cannabistherapie bei MS auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Anlass ist der j\u00e4hrliche&nbsp;Welt-MS-Tag&nbsp;der MS International Federation (MSIF). Multiple Sklerose (MS) ist eine entz\u00fcndliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die meist im fr\u00fchen Erwachsenenalter beginnt. In Deutschland sind rund 280.000 Patient:innen diagnostiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Cannabis-Medikamente k\u00f6nnen bei einigen Symptomen helfen und waren in Deutschland zun\u00e4chst sogar nur bei MS und Spastiken zugelassen, da eine Wirksamkeit f\u00fcr diese Indikationen fr\u00fch belegt werden konnte: Eine&nbsp;Studie&nbsp;stellte etwa fest, dass Cannabisextrakt die Beweglichkeit erh\u00f6hte. Eine weitere&nbsp;Erhebung&nbsp;berichtete, dass ein Cannabis-basiertes Mundspray die Spastik bei MS-Patient:innen reduzierte, die nicht auf andere Behandlungen ansprachen.&nbsp;Forschungen&nbsp;zeigten auch, dass Cannabinoide zur Schmerzlinderung bei MS-Patient:innen beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eIch war auf der Suche nach etwas, das mich unbeschwerter durchs Leben bringt.\u201d<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine MS-Patientin, der die Cannabistherapie geholfen hat, ist Julia Wirthmann aus der N\u00e4he von Aschaffenburg. Sie bekam ihre Diagnose im Fr\u00fchling 2023:&nbsp;<em>\u201eAngefangen hat es bei mir nachts, als ich aufstehen wollte und nicht mehr konnte \u2013 wir sind sofort ins Krankenhaus gefahren\u201c<\/em>, sagt die dreifache Mutter. Sie kannte die Alarmsignale, denn auch ihre Schwester und Mutter sind an MS erkrankt. Mittlerweile kann Julia Wirthmann ihrem Beruf als Krankenschwester nicht mehr nachgehen, da sie nicht weiter als zehn Meter am St\u00fcck gehen kann.<br><em><br>\u201eDie Lebensqualit\u00e4t leidet enorm, wenn man nicht mehr arbeiten kann, vom Jobcenter abh\u00e4ngig wird und sich in meinem Alter f\u00fchlt wie eine Oma\u201c<\/em>, sagt sie. Zu ihren Symptomen z\u00e4hlen Nervenschmerzen und Muskelspastiken, gegen die Julia Wirthmann mit Ergotherapie, Physiotherapie und diversen Medikamenten vorzugehen versuchte:&nbsp;<em>\u201eDie Medikamente konnten meine Lebensqualit\u00e4t nicht komplett zur\u00fcckbringen und hatten starke Nebenwirkungen\u201c<\/em>, sagt sie.&nbsp;<em>\u201eIch war auf der Suche nach etwas, das mich unbeschwerter durchs Leben bringt.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die 36-J\u00e4hrige stand Cannabis bis zu ihrer Diagnose und der Suche nach Abhilfe kritisch gegen\u00fcber:&nbsp;<em>\u201eIch habe damit assoziiert, dass man den Kopf abschalten und doof werden m\u00f6chte\u201c<\/em>, sagt sie. Viele \u00c4rzt:innen haben \u00e4hnliche Vorurteile. Der Weg zum Cannabis-Rezept sei deshalb schwierig gewesen. Eine Neurologin empfahl ihr Cannabis zwar als&nbsp;<em>\u201edas Nonplusultra f\u00fcr MS-Symptome\u201c<\/em>, aber der Aufwand, es zu verschreiben, war ihr bei rund 200 verf\u00fcgbaren Sorten und restriktiven Regularien in der Verordnung zu gro\u00df:&nbsp;<em>\u201eMittlerweile ist Cannabis legal und die \u00c4rztin muss kein Bet\u00e4ubungsmittelrezept mehr ausstellen, wodurch es deutlich einfacher geht. Au\u00dferdem kann ich sie bei der Suche nach der passenden Sorte unterst\u00fctzen, indem ich einen digitalen Bl\u00fctenfinder nutze und entkr\u00e4fte damit ihre Argumente\u201c<\/em>, so Wirthmann. Das medizinische Cannabis bezieht sie von einer Cannabis-Apotheke und inhaliert es t\u00e4glich, erg\u00e4nzend zur Immunsuppressionstherapie.&nbsp;<em>\u201eIch habe fast ein Jahr verschiedene Sorten ausprobiert, um bei der zu landen, die mir am besten hilft\u201c<\/em>, sagt sie.&nbsp;<em>\u201eJetzt bin ich optimal eingestellt. Es nimmt mir die Nervenschmerzen im Bein komplett! Spastiken habe ich nach wie vor, aber ich hoffe, dass ich weitere Symptome eind\u00e4mmen kann. Ich rate allen Betroffenen, sich nicht entmutigen zu lassen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mediziner sch\u00e4tzt Therapiem\u00f6glichkeit in der symptomatischen Therapie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Leipziger Neurologe Dr. Sven Ehrlich ist Vorstand der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Sachsen (<a href=\"https:\/\/dmsg-sachsen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DMSG<\/a>) und konnte Erfahrungen mit der Behandlung der Symptomatik bei MS sammeln: \u201e<em>Cannabis wird seit Jahrtausenden als Heilpflanze eingesetzt. In der MS-Therapie hat es sich als wirksame Add-On-Therapie bei der Reduktion von Muskelspastik und Schmerzen erwiesen\u201c<\/em>, sagt er. Das Endocannabinoid-System spielt eine Rolle bei der Modulation dieser Symptome, und Cannabinoide k\u00f6nnen Erleichterung bieten. Die in Cannabis enthaltenen Wirkstoffe THC, CBD und Terpene interagieren mit dem k\u00f6rpereigenen Endocannabinoid-System. Dieses System spielt im menschlichen K\u00f6rper eine Rolle bei der Regulierung von Schmerz und Muskelkontrolle. Durch die Aktivierung bestimmter Rezeptoren kann Cannabis die Muskelspannung verringern und Schmerzen lindern, was insgesamt zu einer besseren Lebensqualit\u00e4t f\u00fchren kann. Laut Dr. Ehrlich gibt es jedoch MS-Patient:innen, welche noch nicht ausreichend behandelt sind, weil es f\u00fcr Ihre Indikation keine ausreichende Evidenzlage gibt. Es ist wichtig, noch mehr Erfahrungen zu sammeln und den positiven Effekt in Studien zu kontrollieren, um den Einsatz von Medizinalcannabis zu erleichtern.&nbsp;<em>\u201eDurch die Legalisierung gibt es ein Interesse in den Medien und der Gesellschaft. Vielen Patienten war noch nicht klar, dass medizinisches Cannabis schon seit Jahren eine Therapieoption ist. Wichtig ist zu verstehen, dass es eine Add-On-Therapie ist, die zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzt, die Lebensqualit\u00e4t zu verbessern, indem Schmerzen und Spastiken reduziert werden\u201c<\/em>, sagt Dr. Ehrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Julia Wirthmann bedeutet das die Hoffnung auf ein aktiveres Leben mit ihren Kindern. F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnscht auch sie sich mehr Offenheit bei \u00c4rzt:innen, um anderen Betroffenen den bislang steinigen Weg zum Cannabis-Rezept zu erleichtern:&nbsp;<em>\u201eMenschen wie ich leiden unter dem Stigma des ,Kiffers\u2018. Ich hoffe, dass es andere k\u00fcnftig leichter haben, ein Rezept zu erhalten, um Cannabis f\u00fcr sich auszuprobieren.\u201c<\/em>&nbsp;Als n\u00e4chsten Schritt in ihrer pers\u00f6nlichen Krankengeschichte hofft Julia Wirthmann nun auf eine Kosten\u00fcbernahme des medizinischen Cannabis durch die Krankenkasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Podcast mit Dr. Nadine Herwig (Gr\u00fcnhorn Academy) und der MS-Patientin, Julia Wirthmann, finden Sie ab 30. Mai 2024 unter&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/62tSiF1UBCoqs7GvsUGp1G\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Gr\u00fcnhorn Academy Podcast | Podcast on Spotify<\/strong><\/a>&nbsp;Weitere Informationen zum Thema&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gruenhorn.de\/blog\/medizinisches-cannabis-bei-multipler-sklerose\"><strong>Cannabis &amp; MS finden Sie bei der Gr\u00fcnhorn Academy<\/strong><\/a>!<\/p>\n\n\n\n<p><sup><strong>Quellen<\/strong>:<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><sup>A double-blind, randomized, placebo-controlled, parallel group study of THC\/CBD spray in peripheral neuropathic pain treatment (2014 by M Serpell 1, S Ratcliffe, J Hovorka, M Schofield, L Taylor, H Lauder, E Ehler)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><sup>Cannabinoids for treatment of spasticity and other symptoms related to multiple sclerosis (CAMS study): multicentre randomised placebo-controlled trial (2003, by John Zajicek 1, Patrick Fox, Hilary Sanders, David Wright, Jane Vickery, Andrew Nunn, Alan Thompson; UK MS Research Group)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><sup>A double-blind, randomized, placebo-controlled, parallel-group study of Sativex, in subjects with symptoms of spasticity due to multiple sclerosis (2010 by C Collin 1, E Ehler, G Waberzinek, Z Alsindi, P Davies, K Powell, W Notcutt, C O&#8217;Leary, S Ratcliffe, I Nov\u00e1kov\u00e1, O Zapletalova, J Pikov\u00e1, Z Ambler)<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><sup>Randomized, controlled trial of cannabis-based medicine in central pain in multiple sclerosis (2005 by David J Rog 1, Turo J Nurmikko, Tim Friede, Carolyn A Young)<\/sup><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Welt-MS-Tages berichtet eine Patientin von den potenziellen Vorteilen der Cannabistherapie. 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