Wettbewerb nimmt zu – wirtschaftlicher Druck auf Apotheken wächst – Versorgungskosten sinken
Leipzig, 10. Juli 2025. Seit dem Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes im April 2024 hat sich der Markt für medizinisches Cannabis in Deutschland rasant entwickelt. Neben einer verbesserten Versorgungssituation zeigen aktuelle Daten der Grünhorn Gruppe nun erstmals deutlich: Ein strukturelles Überangebot verändert die wirtschaftlichen Spielregeln im Versorgungsmarkt.
So ist das Importvolumen von 32 Tonnen (2023) auf 72 Tonnen (2024) gestiegen – eine Steigerung um mehr als 120 Prozent. Hauptlieferländer sind europäische Produzenten mit einem Volumen von über 33 Tonnen sowie kanadische Anbieter wie Aurora und Tilray, die traditionell über EU-GMP-zertifizierte Lieferketten verfügen. Gleichzeitig hat sich die Zahl spezialisierter Cannabis-Apotheken von rund 50 im April 2024 auf über 250 ein Jahr später verfünffacht. Die durchschnittlichen Abgabepreise sind im selben Zeitraum von 9,98 € auf 9,06 € pro Gramm gefallen, was einem Rückgang von fast zehn Prozent entspricht. Im Juni 2025 liegt der Durchschnittspreis bei 8,77 €.
Versorgung wird günstiger – Marktumfeld herausfordernder
Für Patient:innen bedeutet diese Entwicklung: bessere Verfügbarkeit, breitere Produktpalette und sinkende Kosten. Gleichzeitig bringt das veränderte Marktumfeld neue Herausforderungen mit sich, insbesondere durch den intensiver werdenden Preiswettbewerb auf digitalen Plattformen und Vergleichsdiensten.
Auffällig ist die Preisdifferenzierung nach THC-Gehalt: Produkte mit einem niedrigen THC-Gehalt vergünstigten sich im Preis deutlich stärker als hochpotente Sorten. So sanken beispielsweise die Preise für Produkte mit einem THC-Gehalt von 15 bis 20 Prozent zwischen April 2024 und Mai 2025 um ganze 24 Prozent. Sorten mit einem THC-Gehalt von über 25 Prozent verzeichneten dagegen nur einen Rückgang von rund zehn Prozent. Die Analyse dokumentiert eine wachsende Vielfalt an Cannabis-Produkten und lässt Rückschlüsse auf die Preisstrategien der einzelnen Anbieter zu.
Zudem zeigt sich ein Preisgefälle zwischen etablierten, oft inhabergeführten Apotheken mit umfassender Beratung und neuen Marktteilnehmern, die stark auf Preiswettbewerb setzen. „Wir sehen, dass neue Marktteilnehmer bewusst auf aggressive Preismodelle setzen, um sich zu positionieren“, erklärt Stefan Fritsch, Geschäftsführer der Grünhorn Gruppe. „Das ist nachvollziehbar – aber es bringt auch Risiken mit sich: Wer langfristig unter Produktionskosten abgibt oder zu hohe Bestände aufnimmt, riskiert wirtschaftliche Instabilität.“
Denn Medizinalcannabis unterliegt pharmazeutischen Standards und muss unter besonderen Bedingungen gelagert werden. Kurzfristig nicht abgesetzte Ware kann verfallen. Hinzu kommt: Der Apothekenmarkt insgesamt schrumpft. Laut ABDA ist die Zahl der Apotheken in Deutschland Anfang 2025 so niedrig wie zuletzt 1978.
„Oversupply“ statt Unterversorgung – Markt konsolidiert sich
Trotz des veränderten Marktumfeldes funktioniert die Versorgungskette und wird auch in Zukunft stabil bleiben. „Wir sehen keine Gefährdung des Zugangs für Patient:innen“, betont Fritsch. „Aber der Markt wird sich verändern: Einige Apotheken werden sich zurückziehen, Hersteller müssen effizienter wirtschaften. Der Konsolidierungsdruck steigt.“
Aus Sicht der Grünhorn Gruppe braucht es daher eine differenzierte Betrachtung: Preissignale sind wichtig, doch ebenso entscheidend sind langfristige Qualitätsstandards, Beratungskompetenz und Planungssicherheit für Apotheken.
Politische Stabilität als Grundlage für die Versorgung kranker Menschen
Neben der Preisdynamik prägt auch die politische Diskussion über die regulatorische Zukunft von medizinischem Cannabis das Marktumfeld. Aus Sicht der Grünhorn Gruppe sind verlässliche Rahmenbedingungen sowohl für die kontinuierliche Therapieversorgung von Patient:innen als auch für die wirtschaftliche Planungssicherheit der Apothekenbetriebe von entscheidender Bedeutung.
„Politische Stabilität und klare regulatorische Leitlinien bilden das Fundament einer qualitativ hochwertigen Patient:innenversorgung“, betont Stefan Fritsch. „Mit unserer spezialisierten Expertise stehen wir als konstruktiver Sparringspartner für Politik, Fachverbände und Branche zur Verfügung.“
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Bildmotiv: Infografik „Medizinalcannabis wird günstiger“
Bildunterschrift: Preisdynamik nach THC-Gehalt: Mittelpotente Cannabis-Sorten (15-20% THC) wurden um 24% günstiger, hochpotente Sorten (über 25% THC) nur um 10%.
Quelle: Grünhorn Gruppe
Hinweis: Die Zahlen der Analyse dürfen nur in Zusammenhang mit Grünhorn verwendet werden

